Bemerkenswert

#1 Noch 3 Wochen bis zur Abreise – Was bisher geschah

Inzwischen sind es nur noch drei Wochen bis zu meiner Abreise und es kommt mir vor, als würde ich erst jetzt realisieren, dass ich bald für ein Jahr weg bin, naja, eigentlich sind es ja nur zehn Monate, aber jedenfalls eine ziemlich lange Zeit. Überraschenderweise bin ich nicht mal besonders aufgeregt oder nervös, vielmehr kann ich es vor Vorfreude kaum erwarten endlich abzureisen und vorallem meine Gastfamilie endlich persönlich kennenzulernen.

Bis ich allerdings hier angelangt bin, ist eine Menge Zeit vergangen, die ich damit verbracht habe Bewerbungen und Formulare auszufüllen oder mich auf mein Auslandsjahr vorzubereiten. Angefangen hat alles irgendwann in der neunten Klasse, oder vielleicht war der Gedanke auch schon davor da. Oder wie Julian Barnes in „Der Lärm der Zeit“ sagt:

„[N]ichts beginnt einfach so an einem bestimmten Datum und einem bestimmten Ort. Das alles hat an vielen Orten und zu vielen verschiedenen Zeiten begonnen, von denen einige sogar vor deiner Geburt leigen [können], in fremden Lädern und in den Köpfen anderer Leute.“

Ich habe mir schon immer mal gewünscht wo anders zu leben, besonders weil ich mein ganzes Leben bisher an ein und demselben Ort gelebt habe, in einem winzigen Kuhdorf irgendwo im Nirgendwo… Ist es ein Wunder, dass ich mir da wünsche mal etwas zu erleben und etwas Spannendes zu unternehmen? Gerade in den letzten zwei Jahren ist mein Durst auf Neues immer stärker geworden und ich kann es nicht erwarten diesem Gefängnis endlich zu entkommen. Obwohl ich oft mit meiner Familie verreise und schon recht viele verschiedene Orte gesehen habe, ist dies meine erste richtige Chance tatsächlich in eine fremde Kultur einzutauchen und mich an einem fernen Ort zuhause zu fühlen. Es stand also relativ früh fest, dass ich ins Ausland gehen wollte (woran zum Teil sicher auch meine Mutter mit ihrer Erziehung Schuld ist ^^).

Die nächsten Schritte waren also mit meiner Mutter zu reden und eine geeignete Organisation zu finden. Das ist anscheinend auch ein Punkt der die meisten Leute interessiert, denn eine der ersten Fragen, die ich jedes Mal gestellt bekomme, sobald ich von meinem Auslandsjahr erzähle, ist: Was sagen denn deine Eltern dazu? Meine Mutter sieht das Ganze ziemlich gelassen. Sie kann nachvollziehen wie ich mich fühle (eingesperrt) und unterstützt mich natürlich bei der Erfüllung meiner Träume. Nachdem das also geklärt war, habe ich mit meiner Englischlehrerin gesprochen, die sofort eine Schülerin aus der 12. Klasse angesprochen hat, welche ebenfalls eine Auslandsjahr gemacht hat. Die Schülerin hat ihre Organisation und ihre Erfahungen in einem Vortrag vorgestellt und ich war sofort begeistert. Nach einigen Recherchen wählte ich schließlich die Organisation AFS aus und bewarb mich recht früh, noch in der 9. Klasse. Daraufhin wurde ich zu einem Auswahlwochenende in Halle eingeladen. Zusammen mit ca. 30 anderen Jugendlichen diskutierten wir verschiedene Themen und hörten uns an, was die Betreuer aus ihrem Auslandsjahr zu berichten hatten. Nach drei spannenden Tagen ging es wieder nach Hause und bald darauf bekam ich per Post die Bestätigung, dass ich von der Organisation angenommen wurde. Nun musste ich das Land auswählen, in dem ich ein Jahr lang leben wollte. Relativ schnell stand für mich fest, dass ich umbedingt in ein englischsprachiges Land gehen wollte. Zur Auswahl standen also: Großbritannien, Irland, Australien, Neuseeland und die USA. Großbritannien und Irland fielen bei mir raus, da ich das zu „langweilig“ fand. Denn ich war dort schon häufig durch Sprachreisen unterwegs und wollte außerdem gern mal auf einen anderen Kontinent reisen. Neuseeland finde ich nachwievor unglaublich interessant und ich wäre auch liebend gern dort hin gegangen, aber leider musste man dafür im Winter abreisen und das war für mich einfach zu unpraktisch. Blieben also noch USA und Australien. Letztendlich habe ich mich für die USA entschieden, weil ich fand, dass das spannender klingt.

Glücklicherweise lief alles gut und mein Land wurde schnell bestätigt. Nachdem ich dann stundenlang meine Online-Bewerbung ausgefüllt hatte, bekam ich die Einladungen für zwei weitere Grundvorbereitungswochenenden. Zusammen mit 8 Teilnehmern und 3 Betreuern starteten wir zahlreiche TOPs (TagesOrdnungsPunkte), bei denen uns die Eigenschaften, die ein Austauschschüler haben sollte, näher gebracht wurden. Besonders gefallen hat mir ein TOP, bei dem die Betreuer eine fremde Kultur erfunden haben und uns an einem Ritual dieser Kultur teilhaben ließen. Anfangs sah es so aus, als wären die Männer dieser Kultur den Frauen übergeordnet und dürfen alles bestimmen, doch in der Auswertung stellte sich heraus, dass wir viele Anzeichen falsch gedeutet hatten, denn tatsächlich wurden die Frauen wegen ihrer Fruchtbarkeit verehrt und waren aus diesem Grund selbstständiger und wurden keineswegs unterdrückt.

Später, im Juni, fand eine weitere Vorbereitung (VB) statt, dieses Mal war es aber eine läderspezifische VB, also nur für Austauschschüler, die in die USA wollen (in meinem Fall jedenfalls). Wir waren eine Gruppe von knapp 40 Leuten (mit Betreuern) und haben viele nütziche Informationen und Verhaltenstipps bekommen, die speziell in den USA zu beachten sind. Wir sollen besonders darauf achten, dass nicht jeder Amerikaner dem typischen Klischee entspricht. Außerdem versuchten uns die Betreuer die „Eigenheiten“ und die Mentalität in den USA näher zu bringen, z.B. versuchten sie zu erklären, warum man in Amerika eine Waffe bei sich tragen darf. Dies ist (laut den Betreuern) darauf zurück zuführen, dass sie die Waffen als Verteidigung oder Schutz vor der drohenden „Unterdrückung“ durch den Staat sehen, also sozusagen als Absicherung, was für die Meisten von uns schwer zu verstehen ist.

Nachdem ich nun alle VBs hinter mir habe, sollte ich bestens vorbereitet sein, wobei ich das  wahrscheinlich wichtigste Thema noch gar nicht angesprochen habe: die Gastfamilie. Die erste Information über meine Gastfamilie bekam ich schon zu Ostern 2017. Somit war ich eine der Ersten, die eine Gastfamilie hatte. Zusammen mit meiner (scheinbar sehr netten) Gastfamilie stand jetzt auch der genaue Ort fest, an dem ich ein Jahr lang wohnen würde, denn den durfte ich mir nicht aussuchen. Ich werde mein Auslandsjahr in New Mexico, Albuquerque verbringen. Als ich das erfahren habe war ich so ungaublich glücklich, dass ich es am liebsten der ganzen Welt erzählt hätte. Für mich ist das eine ziemlich große Umstellung, da ich im Moment, wie bereits erwähnt, in einem winzigen Dorf wohne. Albuquerque ist mit 557.000 Einwohnern die größte Stadt von New Mexico und ich habe mir insgeheim immer gewünscht in einer großen Stadt zu leben, auch wenn ich versucht habe mich nicht festzulegen, weil ich dachte, ich würde nur enttäuscht werden. Auch die Betreuer haben immer und immer wider gesagt, dass wir uns keine großen Hoffnungen machen sollen, in eine große Stadt zu kommen, da dort die Häuser und Wohnungen teurer sind und somit nicht viele Leute Austauschschüler bei sich aufnehmen können. Jedenfalls bin ich unglaublich froh, diese Erfahrung machen zu können. Ich kann es kaum erewarten endlich abzureisen und Albuquerque zu erkunden. Meine Gastfamilie besteht aus dem Gastvater Jeff, der Sport liebt, meiner Gastmutter Tanya, die sich für selbstgemachte Pflegeprodukte interssiert, meinem Gastbruder Kyle (18), der gerade seinen Abschluss gemacht hat und meiner gleichaltrigen Gastschwester Emily, die wohl ein typisches Teenage-Mädchen zu sein scheint (jedenfalls behauptet das meine Gastmutter ^^) In den Ferien kommt außerdem mein 21jähriger Gastbruder Jacob zu Besuch und meine Familie besitzt zwei kleine Hunde, die mit im Haus leben. Ich hab schon ein paar mal per E-Mail und Facebook mit meiner Gastmutter geschrieben und in 3 Wochen ist es endlich so weit: Ich lerne meine Gastfamilie endlich persönlich kennen! Ich kann es kaum erwarten!

Bis es soweit ist muss ich mich allerdings noch um mein Visum kümmern… Ich habe am 11.07. meinen Interviewtermin in Frankfurt und bin schon etwas nervös. Hoffentlich geht alles gut, denn ich weiß nicht, ob wir noch Zeit hätten einen zweiten Termin zu vereinbaren…

Desweiteren muss ich mich noch um die Gastgeschenke kümmern, und was das angeht bin ich wirklich nicht gerade kreativ. Ich muss mir wohl ein paar Anregungen und Ideen im Internet holen. Aber dann kann es endlich losgehen, denn mein Flug geht schon am 02.August von München nach Denver und anschließend von Denver nach Albuquerque. Ich denke die Aufregung kommt erst kurz bevor ich tatsächlich abreisen muss, aber Abschied nehmen gehört einfach dazu und ist mal eine neue Erfahrung für mich. Ich bleibe ja nur ein Jahr und währenddessen werde ich natürlich meine Freunde und Familie vermissen, aber gleichzeitig ist das auch ein Abenteuer für mich, bei dem ich neue interessante Leute kennen lerne. Das heißt nicht, dass ich meine Freunde in Deutschland vergesse oder vernachlässige, es heißt nur, dass ich vielleicht nicht so viel Zeit haben werde, um ständig Kontakt zu halten. Aber ich bin sicher sie werden das verstehen, schließlich haben sie in der 11. Klasse sicher auch mehr Stress als vorher und vielleicht selbst gar nicht so viel Zeit 😉

Leider kann ich ebenfalls nicht vorhersagen, wann ich wieder Zeit haben werde den nächsten Blogbeitrag zu schreiben, aber spätestens nach meiner Ankunft werde ich von meiner Reise und natürlich auch von meiner Gastfamilie berichten 🙂

Bis Bald! Elisa

#4 Already 5 days in NM!

Hey Leute!

Heute ist der 07. August, d.h. ich bin schon 5 Tage hier. Eigentlich ist es echt cool. Jetzt gerade ist es kurz vor 9 Uhr (am) und ich habe beschlossen mal meinen Blog zu updaten, weil die anderen entweder schlafen oder auf Arbeit sind. Ich weiß nicht wirklich wo ich anfangen soll zu erzählen, also mach ich einfach da weiter wo ich letztes Mal aufgehört habe: Beim Jetlag. Denn das ist ein neuer „Erfolg“. Ich habe es fast überwunden! Die letzten beiden Nächte habe ich durchgeschlafen und ich fühle mich auch nicht mehr so müde. Ich beginne mich so langsam an alles hier zu gewöhnen. Ich habe jetzt eine amerikanische Nummer, aber keine Sorge, ich empfange weiterhin die WhatsApp Nachrichten meiner alten Nummer. Vorgestern (also an meinem dritten Tag hier, wenn ich mich nicht verzählt habe) bin ich mit Emily, Tanya und Jeff nach Santa Fe gefahren. Das ist die Hauptstadt von New Mexico (NM). Als erstes waren wir auf dem Farmers Market. Das ist ein riesiger Markt, auf dem an unzähligen Ständen allesmögliche verkauft wird. Und das Beste ist: man kann von allem kleine Samples (Beispiele) probieren! Ich kann hier leider keine Viedeos hochladen, aber auf Facebook (jeder hat hier Facebook) habe ich ein Video gepostet, dass ich auf dem Markt gemacht hab 😉 Auf diesem Farmers Market bekommt man echt alles von Pfirsichen und Säften über Honig, Büffelfleisch und Ziegenkäse zu Würmern (für den Garten nicht zum Essen) und Indian stuff (feather not dot). Das hat Jeff (hostfather) mir erklärt. Es gab hier einige „Native Amerikans“, also praktisch „Indianer“, die man auch „Indians“ nennt. Um diese von Indern (die auch „Indians“ heißen) zu unterscheiden, sagt man nach „Indians“ meist noch feather, also Feder (da die Native Indians immer diesen Federschmuck getragen haben). Und zu Indern sagt man noch dot, also Punkt, weil sie einen Punkt auf der Stirn tragen. Verständlich? Ich frage mich gerade ernsthaft wie ich das auf Englisch verstehen konnte…

Anyways, danach waren wir in der Oldtown und auf dem Santa Fe Art Market, was auch mega schön war. Ich habe sogar einen NM Sticker für meinen Koffer gefunden. Ich versuche von jedem Ort, den ich mit diesem Koffer besucht habe, einen Sticker auf meinen Koffer zu kleben. Meine („echte“) Mom hat dummerweise den ersten von Frankreich abgemacht, weil sie dachte, er hätte keine Bedeutung, aber vielleicht reise ich ja noch mal nach Frankreich und kann das nachholen…

Ihr kennt ja sicher das Klischee, dass in den USA alles riesig ist und ich muss sagen, es stimmt. Alles ist hier unglaublich groß und viel und einfach … anders. Das trifft auch auf das Essen zu. Wenn man hier irgendwo Essen kauft, dann bekommt man eine so riesige Portion, dass zwei Menschen davon satt werden könnten. Oder jedenfalls könnte ich zweimal davon satt werden… Deshalb musste ich auch gestern mit meiner Gastmutter reden. Hier ist es scheinbar üblich, dass sie jedem das Essen auf den Teller macht und nicht, dass man sich selber nimmt. Tanya hat mir also immer eine volle Portion serviert und ich wollte nicht unhöflich sein, aber wer mich kennt weiß, dass ich normalerweise schon für „deutsche Verhältnisse“ nicht besonders viel esse und dann noch eine riesige amerikanische Portion… ich konnte das wirklich nicht essen und es war auch klar, dass ich nicht das ganze Jahr über mehr essen kann, als ich Hunger hab. Also hab ich mit Tanya gesprochen und sie war unglaublich verständnisvoll, worüber ich sehr froh bin. Ich hatte gehofft, dass sie nicht denkt ich würde ihr Essen nicht mögen, denn das ist echt gut! Und glücklicherweise hat sie das nicht gedacht. Ich bin so erleichtert, dass ich das so schnell und einfach klären konnte. Danach war ich mit Jeff in der Gym (Fitnessstudio). Er geht fünf Mal pro Woche dort hin und macht eine Art Muskelaufbautraining. Ich wollte mich einfach nur ein bisschen bewegen und bin deshalb 7,5 Meilen auf dem Laufband gelaufen. Tanya hat gesagt, ich sollte hier lieber nicht draußen allein joggen gehen, weil das zu gefährlich ist… man bemerkt deutlich Unterschiede zu Deutschland und manchmal ist es noch nicht ganz einfach für mich mit so vielen neuen Dingen umzugehen. Ich versuche erst mal richtig anzukommen und meine Familie tut ihr bestes mir dabei zu helfen, was unglaublich lieb von ihnen ist. Mit Emily möchte ich am Sonntag zu einer „Movienight“ in die Kirche gehen. Ja, ihr habt richtig gelesen, Movienight in der Kirche! Das ist speziell für Jugendliche. Man sieht sich einen Film an, versucht ihn mit der Bibel zu verknüpfen und schlussfolgert dann, was man daraus lernen kann. Cool, oder? Am Montag danach fängt auch schon meine Schule an und ich bin schon unglaublich aufgeregt! Hoffentlich kommt ich im Unterricht gut mit und finde schnell neue Freunde. Emily hat schon gesagt, dass sie mich unbedingt ihrem Freundeskreis vorstellen möchte. Darauf freue ich mich schon besonders!

Ansonsten zweifle ich manchmal ein kleines bisschen. Es ist nicht einfach sich an alles zu gewöhnen. Es ist so anders und manchmal weiß ich nicht, wie ich reagieren soll, oder verstehe nicht, was die anderen sagen. Es gefällt mir wirklich gut hier und ich bin auch sicher, dass es die richtige Entscheidung war, ein Auslandsjahr zu machen, aber hier fehlt mir noch das Vertrauen. Es ist logisch, dass ich das erst über die Zeit aufbauen muss, aber mir fehlt manchmal einfach jemand, mit dem ich reden kann. Ich bin sicher das wird sich noch ändern und besonders Emily scheint echt cool zu sein. Man könnte sie wohl als „Nerd“ bezeichnen. Sie liebt Bücher, Comics, Filme, Serien, Musik (besonders My Chemical Romance) und Computerspiele und verbringt damit auch viel Zeit. Letztens waren wir in einem Laden, in dem es nur so komische Shirts zu anderes Zeug von allen möglichen Filmen und Comics gab. Da habe ich ernsthaft sogar einen Darth Vader Toaster gesehen! Wer kauft sowas?

Naja, ich werde mich jetzt mal meinem Buch widmen und schauen ob schon wer wach ist. Übrigens werde ich bis Mitte der Woche erstmal keinen Kontakt zu Familie und Freunden haben, so als Test. In der Zeit wird auch sicher kein neuer Blogbeitrag kommen, aber ihr seid ja jetzt über meine Situation informiert 😉 Nur, dass ihr euch nicht wundert, wenn ich nicht antworte.

Have a nice day, everyone! 🙂

#3 I finally arrived!

Sorry, dass ich erst jetzt schreibe, aber das Jetlag macht mir mehr zu schaffen als ich dachte. Auf dem Flug von München nach Denver war ich so aufgeregt, dass ich nur zwei Stunden geschlafen habe, aber ich war kein bisschen müde, im Gegenteil. Alles war so neu und aufregend, dass ich überhaupt nicht an schlafen gedacht habe. Als es dann endlich weiter ging nach Albuquerque, konnte ich es kaum erwarten meine Gastfamilie endlich zu treffen. Am Flughafen in Albuquerque haben sie mich schon herzlich mit einem „Welcome“-Schild begrüßt und waren super freundlich. Der Akzent ist anfangs sehr ungewohnt und ich muss mich echt konzentrieren, um alles zu verstehen, besonders bei Jeff und Emily (Gastvater & Gastschwester). Ich frage öfters nach, wenn ich ein Wort nicht kenne oder etwas nicht verstehe, aber das ist vollkommen okay. Das Problem ist, dass ich letzte Nacht so gut wie gar nicht schlafen konnte und deshalb war ich heute unglaublich müde und fertig und ich bin es immer noch. Heute Vormittag war ich mit Tanya (Gastmutter) und Emily in der Shoppingmal und anschließend im Walmart. Und am wichtigsten: in einem riesigen Buchladen. Wirklich, das war einer der größten Buchhandlungen, in der ich je war und ich gehe in eine Menge Buchhandlungen. Meine neuste Errungenschaft (auf Englisch!) heißt „Empire of Durst“ von Eleanor Herman. Mittags waren wir dann indisch essen und Leute, ihr glaubt nicht wie warm es hier ist! Dabei war heute noch gar kein richtig heißer Tag (für Albuquerque-Verhältnisse). Die Hitze und der Schlafmangel zusammen waren eine ganz schlechte Kombination und das haben Emily und Tanya auch mitbekommen. Deshalb sind wir dann erstmal nach Hause gefahren und ich habe zwei Stunden geschlafen. Jetzt habe ich gerade mein ganzes Zeug ausgepackt und bin immer noch so unglaublich müde, dass ich kaum meine Augen offenhalten kann. Also höre ich an dieser Stelle auf euch zu langweilen. Was ich eigentlich sagen wollte ist nur 1. Ich bin gut angekommen und meine Gastfamilie ist echt super und 2. Ich sollte das Jetlag nicht unterschätzen (was ich aber getan hab).

#2 Es wird ernst, glaube ich jedenfalls…

Schon in zwei Tagen werde in um diese Zeit im Flugzeug sitzen und dem Treffen mit meiner Gastfamilie entgegenfiebern. Na gut, wir wollen mal realistisch bleiben, wahrscheinlich werde ich schlafen oder einen Film schauen, aber ich werde sicher an meine Gastfamilie denken oder zumindest von ihr träumen. Das alles wirkt für mich noch gar nicht real. Ich kann noch immer nicht glauben, dass es tatsächlich schon so weit ist. Ich meine, ich werde in zwei Tagen nach Amerika fliegen! Ist das nicht unglaublich? Bisher war das immer nur ein Traum von mir, der noch weit in der Zukunft liegt. Und jetzt, wo es so weit ist, kann ich nicht glauben, dass er Realität wird.

Ich glaube einem winzigen Teil von mir wird so langsam bewusst, was hier vor sich geht. Aber aufgeregt bin ich immer noch nicht. Die meisten, denen ich das erzähle, wollen mir gar nicht glauben, aber es ist tatsächlich so. Ich denke die Aufregung wird erst kommen, wenn ich Mittwoch am Flughafen stehe. Und das dauert nicht mehr lang.

In den letzten drei Wochen musste ich noch die letzten Sachen organisieren und das hat auch fast alles geklappt. Mein Visum klebt in meinem Reisepass und wartet darauf endlich benutzt zu werden. Auch die Gastgeschenke habe ich inzwischen alle beisammen: ein Kochbuch (meine Gastmutter liebt kochen), Untersetzer mit deutschen Städten, eine Feder mit Tintenfässchen, ein Magnet mit Flaschenöffner für meinen Gastvater, ein Frankfurt-Kartenspiel für meinen Gastbruder, einen Füller für meine Gastschwester (angeblich gibt es in den USA keine Füller) und natürlich jede Menge Süßigkeiten. Erstaunlicherweise habe ich das alles zusammen mit Sommer- und Winterklamotten für ein Jahr und allem, was ich sonst noch brauche in nur einen Koffer bekommen, der unglaubliche 21 (!) Kilo wiegt (erlaubt sind bis zu 23 kg pro Gepäckstück). Natürlich nehme ich noch einen Rucksack und meinen Laptop mit ins Handgepäck. Mit meiner Kreditkarte gab es noch ein paar Probleme, aber wir haben jetzt zumindest temporär eine Lösung gefunden und darum mache ich mir auch wirklich keine Sorgen. Noch nicht, jedenfalls.

Nach all dem organisatorischen Zeug, kommen wir zum wirklich schwierigen Teil bei dieser Sache: dem Abschied nehmen. Ihr habt sogar alle einen eigenen Abschnitt 😉

Von meinen Freunden hatte ich mich als allererstes verabschiedet. Und das schon am Anfang der Ferien, bei meiner kleinen Abschiedsparty. Da meinten alle noch: „Wir sehen uns doch bestimmt noch mal, bevor du fliegst, oder? Wir können uns ja am Ende der Ferien noch mal treffen.“ Letztendlich ist es nicht dazu gekommen, weil entweder meine Freunde im Urlaub waren oder ich wegen dem Visum usw. keine Zeit hatte. Jetzt sitze ich im Zug und es ist zu spät. Ich bin nicht sicher, ob ich deshalb traurig sein sollte. Aber vielleicht ist es ja besser so. Nicht für mich, sondern für die anderen. Ich meine, ich kann damit umgehen, schließlich ist das Abschied nehmen für mich „nur“ ein notwendiges Übel, um zu einem riesigen Abenteuer aufzubrechen. Aber meine Freunde haben kein Abenteuer. Sie müssen Abschied nehmen, aber was haben sie davon? Für sie wird es wohl so weitergehen, wie bisher und um ehrlich zu sein, bin ich froh, dass ich etwas anderes tun kann. Also falls irgendwer von euch diesen Blog lesen sollte (was ich stark bezweifle): Bitte verzeiht, dass wir uns nicht noch mal richtig verabschieden konnten, aber hey, in nicht mal 10 Monaten sehen wir uns schon wieder! Ich werde nicht mal bis zu meinem 17. Geburtstag wegbleiben. Wenn ich nicht verlängere, bin ich wahrscheinlich Ende Mai schon wieder zurück. Wahrscheinlich habt ihr in der Schule auch eine Menge Stress (nicht mehr lang bis zum Abi!) und gar keine Zeit, um an mich zu denken, aber deshalb bin ich selbstverständlich nicht böse. Das ist ganz normal. Und natürlich wünsche ich euch viel Erfolg in der 11.Klasse! Ihr müsst mir unbedingt erzählen, wie der Spanischunterricht ist (Ich bin immer noch am Grübeln, was ich wählen soll…). Ach ja, und gibt es einen neuen Französischlehrer?

Als nächstes habe ich mich von meinem Stiefvater (Hi Roli!) verabschiedet. Das war nicht unbedingt sehr emotional, weil er zu den wenigen Personen gehört, die tatsächlich aus eigener Erfahrung, nachvollziehen können, wie das für mich ist. Und nebenbei hatte er einige mehr oder weniger hilfreiche Tipps was die USA betrifft. (Zu den weniger hilfreichen Tipps zähle übrigens dein Gerede von Fast Food, Cola und Zunehmen, denn das wird sicher NICHT der Fall sein!)

Vor wenigen Tagen folgte der Abschied von meinem „richtigen“ Vater. Das war ein echt schöner Tag. Leider sehen wir uns nicht so oft, da er zwei kleine Kinder und somit immer viel zu tun hat, aber wenn dafür die Tage, an denen wir uns sehen umso schöner sind, kann ich gut damit leben. Und das war am Samstag definitiv der Fall. Nachdem wir uns unserem gemeinsamen Hobby, dem Zeichnen gewidmet haben, waren wir am Abend noch im Kino und haben uns anschließend verabschiedet. Ich bin glücklich, dass wir noch mal die Möglichkeit hatten etwas zusammen zu unternehmen. Allerdings war der Abschied nicht so schwer wie manch andere, da wir uns sowieso nicht so häufig sehen. Unser jährliches Treffen an Weihnachten muss wohl dieses Jahr ausfallen, aber das können wir ja nächsten Sommer nachholen.

Gestern habe ich mich dann vom „Rest“ der Familie verabschiedet, sprich von meinem Onkel, meiner Tante und meiner Cousine. Ich glaube sie können mich auch ganz gut verstehen, besonders weil meine Cousine auch in die USA geht. Allerdings ist sie 5 Jahre älter als ich und studiert dort 4 Jahre in Tennessee, was ich im Übrigen sehr mutig finde!

Erst vor ein paar Stunden kam einer der schwersten Abschiede, der von meinen Großeltern, da ich ein wirklich gutes Verhältnis zu ihnen habe. Meine Oma ist, glaube ich, ziemlich traurig, dass ich gehe, aber sie versteht, dass ich das unbedingt will und sie wünscht mir auch alles Gute. Ich bin ja nicht für immer weg, sondern nur für 10 Monate, danach bin schon wieder zurück und sicher wird sie sich freuen, wenn ich mich immer mal melde und einen Statusbericht durchgebe 😊 denn das werde ich bestimmt tun, für Oma noch eher, als für alle anderen. Also erinnert mich daran, wenn ich mal keine Lust darauf habe, den Blog zu schreiben!

Allerdings kommt der allerschwerste Abschied noch auf mich zu: der von meiner kleinen Lieblingsschwester (die sich übrigens sehr darauf freut nächstes Jahr auch mein Zimmer belagern zu dürfen). Offiziell möchte ich dir hiermit im Übrigen auch die ganzen Süßigkeiten von mir schenken, die noch zu Hause rumliegen. Ich weiß, du nimmst deine Rolle als Schokoladenkonsument sehr ernst, also sollte dir das eine Freude bereiten. Ich glaube es wäre schade um die Schokolade, die in dem Jahr nur alt werden würde. Leider erlauben mir weder mein vollgestopfter Koffer noch die wüstenartigen Temperaturen in Albuquerque, die Schokolade mitzunehmen, aber ich weiß sie ja jetzt zu Hause in guten Händen.

Ich schreib sicher noch mal einen kurzen Bericht, wenn ich aufgeregt werde, oder spätestens, wenn ich angekommen bin.

¡Hasta pronto!